Kinder- und Jugendarmut verhindern – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Es ist ein Skandal: Jedes siebte Kind in Deutschland ist von Armut gefährdet. Wie diese erschreckende Zahl zeigt, sind Armut und soziale Ungleichheit schon längst keine Randphänomene mehr. Gleichzeitig ist Armut niemals selbst verschuldet. Armut wird in den allermeisten Fällen durch strukturelle und institutionelle Rahmenbedingungen verursacht, die diskriminieren und soziale Mobilität verhindern. Diese Rahmenbedingungen zu ändern, ist eines der Ziele der AWO in Sachsen-Anhalt. In unserem 2019 verabschiedeten Grundsatzprogramm haben wir daher festgehalten:

Um Ungerechtigkeit zu beenden, braucht es eine wirksamere Umverteilung. Das Ziel sind gleiche Lebens- und Teilhabechancen für alle Bürger*innen. Nur eine gerechte Gesellschaft ist eine solidarische Gesellschaft. Dafür kämpfen wir.

Wir glauben: Die nachhaltige Bekämpfung von Kinder-, Jugend- und Familienarmut kann nur mit einer Querschnitts- und Gesamtstrategie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gelingen – wir alle müssen handeln!

Wie Armut Kindheit und Jugend prägt – ein Interview

Wie Armut die Kindheit und Jugend prägt, weiß Juliane P. aus eigener Erfahrung. Im Interview erzählt sie über die Teilnahme ihrer Familie an der ersten AWO-ISS Kinderarmutsstudie, was das Wort „Armut“ für sie bedeutet und welche Unterstützung Sie auf ihrem persönlichen Weg bekommen hat.

Schau hin.
Zu viele Kinder in unserem Land sind armutsgefährdet

Im Jahr 2019 betrug die Armutsgefährdungsquote bei Kindern und Jugendlichen in Sachsen-Anhalt 27,1 Prozent. In der Bevölkerungsgruppe der unter 18-Jährigen lag sie damit im Bundesvergleich an zweithöchster Stelle. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die in Sachsen-Anhalt in Familien im SGB II Bezug leben, beträgt aktuell ebenfalls etwa ein Fünftel – ein weiterer Indikator für die hohe Zahl der hierzulande von Armut bedrohten Kinder und Jugendlichen. Zusätzlich verstärkt die Corona-Pandemie diese nicht länger hinnehmbare Situation.

Armut ist ein Entwicklungsrisiko

Die AWO-ISS Langzeitstudie belegt: Armut stellt ein wesentliches Entwicklungsrisiko für Kinder und Jugendliche dar. Jedes dritte Kind mit Armutserfahrung hat keine Chance, die Armutsschleife zu durchbrechen. Es bleibt in Armutslagen.

Mehr über die AWO-ISS Langzeitstudie erfahren.

Familien und Kinder unterstützen – das Engagement der AWO in Sachsen-Anhalt

In verschiedenen Einrichtungen und mit zahlreichen Angeboten unterstützt die AWO Familien in Sachsen-Anhalt:

  • In den sechs Schuldnerberatungsstellen in Magdeburg, Köthen, Quedlinburg, Bitterfeld-Wolfen, Halle und in Oschersleben begleiten wir überschuldete Familien, finden mit ihnen Wege aus der Verschuldung und nehmen dabei soziale und psychische Faktoren ganzheitlich in den Blick.
  • Mit Angeboten der Schul- und Kitasozialarbeit leisten das Landesjugendwerk der AWO Sachsen-Anhalt und eine Vielzahl von Kreis- und Regionalverbänden einen Beitrag zur Bildungsteilhabe von Kindern und Jugendlichen aus armen Familien.
  • Mit den Angeboten der Tafeln in den Landkreisen werden Auswirkungen von Armut gelindert, die der Staat zulässt.
  • Die AWO SPI (Soziale Stadt und Land Entwicklungsgesellschaft) schafft mit ihrem Stationspark für Berufswahlreife ein speziell auf die Stärken von Jugendlichen ausgerichtetes Bildungsangebot im Übergang von der Schule in den Beruf.
  • Im Jugendclub „Teen Club“ (in Barby) des AWO Kreisverbands Salzland erhalten Kinder und Jugendliche im ungezwungenen Rahmen Orientierung und die für ihre Entwicklung so unendliche wichtige soziale Anerkennung.

Pack an!
Wir fordern: Gemeinsame Gesamtstrategie statt Einzelinitiativen

Trotz zahlreicher Angebote reicht die Unterstützung aus unserer Sicht bisher nicht aus. Es braucht eine politisch kraftvolle ressortübergreifende Gesamtstrategie in Sachsen-Anhalt, die die Bekämpfung von Kinder-, Jugend- sowie Familienarmut klar als Priorität setzt, Armut ganzheitlich in all ihren verschiedenen Dimensionen betrachtet, wirkungsvolle Instrumente erarbeitet, diese umsetzt und ihre Wirksamkeit bewertet.

Der Appell richtet sich an uns alle: WIR MÜSSEN HANDELN!

Zur ausführlichen AWO-Position zum Thema Kinder- und Jugendarmut